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2003-05, KANZLER, Umbau Kulturkiosk Kanzler, München

"Bei dem niedrigen und zurückversetzten Flachbau an der Ecke Luisen-/Gabelsbergerstrasse handelt es sich um einen der letzten Nachkriegs-Behelfsbauten in der Münchener Innenstadt. Das Gebäude wurde 1952 als einfache provisorische Holzkonstruktion für die „technische und naturwissenschaftliche Fachbuchhandlung Kanzler“ errichtet.

Der Ort, das Gebäude und damit die Familie Kanzler standen immer im Spannungsfeld schwelender Interessenkonflikte. Lange Zeit wollte sich die Technische Universität auf dem Grundstück ausbreiten und verhinderte so eine privat finanzierte Überbauung. Auch die mehrmalige Verlegung der Baulinie, abhängig von der gesellschaftlichen Bewertung des Automobils, hebelte alle Bauabsichten und Planungen aus. Durch den Wegzug vieler Fakultäten der TU nach Garching verschwand die Geschäftsgrundlage der Fachbuchhandlung. Im März 2003 kam es schließlich zur Geschäftsaufgabe und zum Verkauf des Grundstücks an die Stadt München. Bald schon soll an dieser Stelle das „Haus der Generationen“ entstehen – ein Wohngebäude mit integrierter Alten- und Kinderbetreuung. Das Vorhaben wurde durch die „Sammlung Brandhorst“ von seinem geplanten Standort an der Türkenstrasse hierher verdrängt. Momentan sucht die Stadt nach einem geeigneten Investor. Bis zum Abriss, voraussichtlich im Frühjahr 2004, wurde vom Kommunalreferat der Stadt München das Gebäude dem Architekten Jakob Bader zur Zwischennutzung freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Für die Idee, das schlichte moderne Gebäude aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, stand das berühmte Gemälde „Nighthawks“ von Edward Hopper Pate. Inhaltlich kommt jedoch kein gastronomisches Konzept zum tragen: Die ehemalige Buchhandlung wurde mit einfachen Maßnahmen und in Eigenarbeit zu einem „Kulturkiosk“ umgebaut. Kiosk kommt ursprünglich aus dem Türkischen und bedeutet „offener Gartenpavillon“ [Kluge]. Das nachts hell erleuchtete, extrovertierte Haus lädt alle aktiven Teile der Gesellschaft dazu ein, sich hier zu treffen, auszutauschen, zu inspirieren, zu diskutieren, von einander zu lernen, den Horizont zu weiten, zu entspannen. Das Niveau hat Anspruch, monostrukturelle spartenspezifische Denk- und Verhaltensweisen sind jedoch nicht gefragt. Es geht um interdisziplinäre Gedanken und damit verbundene synergetische Effekte. So ist auch der Untertitel des Kulturkiosk Kanzler zu verstehen: Tempel für Architektur, Kunst, Musik, Politik, Religion und Lebenslust.

Als Rahmenprogramm wird das Gebäude monatlich mit einer Ausstellung bestückt, an einem jeden Freitag finden von 20:00 bis 02:00 verschiedene Veranstaltungen statt: Vernissage oder Finissage einer Ausstellung, ein Vortrag der Reihe „Herzbluth“, eine Runde des Politikforums, Salons und Think Tanks „München Polis“, diverse Musikdarbietungen und Lesungen von Literatur und Poesie… Das Gebäude ist immer einsehbar und tagsüber zu üblichen Bürozeiten zugänglich.

Kulturkiosk Kanzler, Gabelsbergerstr. 55, 80333 München, Deutschland
"Tempel für Architektur, Kunst, Musik, Politik, Religion und Lebenslust"
(www.kulturkiosk-kanzler.de)